Das braune Pack ist wieder da!

Erneut – etwa zeitgleich mit der Auslieferung dieser Göttinger Blätter – marschiert der Freundeskreis. Sonderlich weit geht es ja nie, sonderlich viele waren es letzthin auch nicht, man könnte sich beruhigt zurücklehnen und das Protestieren mal ausfallen lassen. Zu wichtig auch die anderen Sachen, die für einen Besuch am Bahnhof, davor „marschieren“ sie ja meist, zurück gestellt werden müssten.

Zugegebenermaßen ist es kontraproduktiv, seine eigene politische Arbeit nach dem Kalender und der Pfeife der national gesinnten Pfeifen auszurichten. Zu schwach erscheinen sie auch, wenn sie mit gerade einmal drei (Veranstalterangaben vier) Personen hinter vielen Steuergeldempfängern in Uniform vor den Steuerzahlen abgeschirmt werden.

Zu anstrengend auch immer wieder diese Bündnisse mit Leuten, mit denen man fast nur die Abneigung gegen den FKTN teilt. Sollen wir also, wie es auch diverse Leserbriefe oder Kommentare anregen, die gar nicht beachten und ignorieren? Vielleicht das eine oder andere brennende Auto zum Anlass nehmen, erleichtert mit dem Gedanken: Beide böse zur Fernbedienung greifen? Ein verlockender Gedanke, gerade wenn das Wetter wieder schlechter wird. Fortschrittlich ist aber was anderes.

Es macht vermutlich auch den Nazis keinen Spaß, sich in der Kleinstgruppe hinter der Polizei verstecken zu müssen, normalerweise sind die lieber in der Mehrheit gegen hilflos und unbewaffnet, gerne Ausländer, schwul oder links (einschließendes oder). Dass dies in Göttingen nicht so ist, ist aber kein Zufall sondern das Resultat unserer gemeinsamen Anstrengungen. Fatal, die einfach weg zu werfen, fataler die Konsequenzen. Jede national befreite Zone ist eine zuviel.

Durch das Bündnis über ein großes Spektrum sind wir natürlich zu Kompromissen gezwungen, dafür ist es ja ein Bündnis. Andererseits müssen wir danach streben, die Hegemonie zu erreichen. Ist die Stadt sich einig gegen die braune Brut, wird es der Polizei schwerfallen, sich auf die Seite der Nazis zu stellen. Tut sie es, und sie hat es in der Vergangenheit schon so oft getan, dass es keine vollkommen aus der Luft gegriffene Unterstellung ist, geschieht das derzeit nicht unkommentiert oder gar unbeobachtet. Die jetzt wachsende Solidarität unter den Gegnern des Freundeskreises ist ohne diese nicht verschwunden und kann uns auch in anderen Kämpfen helfen. Wenn die Gewerkschaft mit uns jetzt auf die Straße geht, gehen wir mit ihnen auch durch die Streiks. Wenn der Pfarrer gemeinsam mit den Autonomen
sich gegen die Polizeikette stemmt, wird er bei der Beichte nicht so harte Bußen
verhängen.

Und was wäre das, wenn wir den Einsatz gegen die Nazis nur Wenigen überließen, daheim und die Daumen drückend? Wir überließen sie der Repression dieses Staates und hätten nichts gewonnen. Unsere Termine für andere Dinge müssten wir wegen der Soliparties absagen und das Geld, das eigentlich für fortschrittliche Projekte gespendet werden sollte, für die Bußgelder ausgeben.

Davon ab, dass da dann Leute, die für unsere Interessen einstehen, verheizt werden. Wir sind uns darüber einig, dass zwischen uns und den Lebensumständen, die wir uns erträumen, nicht der Freundeskreis steht. Das sind die kapitalistischen Verhältnisse, in deren Interesse der Freundeskreis als nützliche Idioten tätig sind. Trotzdem steht die Bedrohung durch den FKTN zunächst an erster Stelle. Wenn ein Haus Schimmel in den Wänden hat und der Papiermüll im Treppenhaus brennt, was
zuerst? Löschen oder renovieren? Kommunisten sollten genug gelernt haben, um einerseits diese Zusammenhänge zu kennen und einzuordnen, andererseits hat man ihnen, gerade in der NS-Zeit und danach, genug beigebracht, um zu wissen, wie gefährlich die Nazis sind, wenn man sie mal lässt. Auch wenn die Stiefelnazis als Ablenkung nur nützliche Idioten des Kapitals sind.

StW

Dieser Beitrag wurde unter Aktion, Antifaschismus, DKP, Göttinger Blätter, Lokales veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s